Wieder einmal zeigt sich, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist und wie unzureichend Politik und Staat auf echte Krisen reagieren.

Ein massiver Stromausfall in Berlin legte rund 45.000 Haushalte lahm, etwa 100.000 Menschen waren betroffen.
Die Hilfe kam schleppend, die politische Reaktion wirkte hilflos und unkoordiniert. Erst heute, Tage später soll die Stromversorgung wieder anlaufen. Ursache war nach bisherigen Erkenntnissen ein gezielter Terroranschlag der sogenannten „Vulkangruppe“.

Besonders empörend ist der Umgang der öffentlich-rechtlichen Medien mit diesem Ereignis. Ein Anschlag auf kritische Infrastruktur, der hunderttausend Menschen unmittelbar trifft, wurde in den Nachrichtensendungen erst nachrangig behandelt, weit hinter internationalen Dauerbrennern wie Trump, Venezuela, Putin oder der Ukraine. Während deutsche Bürger ohne Strom, Heizung und teilweise ohne medizinische Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten auskommen mussten, blieb die Berichterstattung erstaunlich distanziert. Dass wir für diese Prioritätensetzung auch noch zwangsweise zahlen müssen, ist schwer vermittelbar.

Für die Betroffenen bleibt zu hoffen, dass es keine schweren gesundheitlichen oder materiellen Schäden gegeben hat, dass alle sicher in ihre Wohnungen zurückkehren konnten und dass heute tatsächlich wieder überall Strom zur Verfügung steht. Vor allem aber muss gewährleistet sein, dass Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind,  Alte, Pflegebedürftige, Kranke –, diese Hilfe auch tatsächlich erhalten und nicht schlicht übersehen werden.

Dieser Vorfall ist ein Warnsignal. Er zeigt, dass wir uns im Ernstfall nicht auf schnelle, wirksame staatliche Hilfe verlassen können. Wer glaubt, der Staat werde schon rechtzeitig eingreifen, verkennt die Realität. Krisenvorsorge beginnt nicht in Pressekonferenzen, sondern in funktionierenden Strukturen vor Ort.
Deshalb müssen wir den Blick auf unsere eigene Heimatstadt richten. Wie vorbereitet ist Hagen auf einen großflächigen Stromausfall? Gibt es belastbare Notfallpläne oder nur Aktenordner in Schubladen? Sind Transport- und Unterbringungsmöglichkeiten für Pflegebedürftige und ältere Menschen vorhanden oder bleibt alles dem Zufall überlassen? Gibt es ausreichend Notstromaggregate für Krankenhäuser, Pflegeheime und andere kritische Einrichtungen? Existieren Schutzräume überhaupt noch, und weiß jemand, wo sie sind?

„Wer im Wasser um Rettung schreit, ist gegen den im Nachteil, der das Ufer zu erreichen sucht.“
(Hans Ossenbach, 1874–1945)
Dieser Satz mag realistisch sein, doch er ist kein Argument für staatliches Wegsehen. Nicht jeder kann das Ufer aus eigener Kraft erreichen. Genau für diese Menschen trägt eine Gesellschaft Verantwortung und genau daran muss sich Politik messen lassen.

Eva-Maria Fischer